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Supplement Fatigue is real.

The return of the complex



Vitamin D zum Frühstück. Magnesium am Abend. Omega-3 zum Essen. Eisen möglichst mit Abstand zu Kaffee. Dazu B-Vitamine, Zink, Selen, Vitamin C, vielleicht Kreatin, Kollagen, Coenzym Q10 und irgendetwas, das gerade besonders überzeugend nach Longevity klingt. Sound familiar?

Was als überschaubare Ergänzung der Ernährung beginnt, kann schnell zu einem kleinen Organisationsprojekt werden. Verschiedene Produkte, unterschiedliche Dosierungen, verschiedene Einnahmezeitpunkte. Welches NEM verträgt sich mit welchem? Und mit welchem nicht?


Supplement Fatigue is real.


Vielleicht lohnt es sich deshalb, über eine Frage zu sprechen, die im Zeitalter personalisierter Health Optimization fast ein bisschen unsexy geworden ist: Kann ein gut zusammengestellter Nährstoffkomplex für manche Menschen die pragmatischere Lösung sein?


The compliance problem


Über Supplements sprechen wir meist über Inhaltsstoffe und Dosierungen. Viel seltener sprechen wir darüber, ob Menschen ihre sorgfältig zusammengestellte Routine tatsächlich durchhalten. Dabei ist Regelmäßigkeit ein ziemlich entscheidender Faktor.

Wer sieben verschiedene Produkte besitzt und vier davon regelmäßig vergisst, hat auf dem Papier vielleicht eine beeindruckende Supplement-Strategie. Im Alltag sieht die Sache anders aus.

Genau hier werden Nährstoffkomplexe interessant. Multivitamin- und Mineralstoffpräparate bündeln mehrere Mikronährstoffe in einer täglichen Routine. Sie können die Zahl der einzelnen Produkte reduzieren und damit eine Supplement-Routine erheblich vereinfachen.

Das klingt banal. Für eine langfristige Gesundheitsroutine kann banal ziemlich wertvoll sein.


What exactly is a nutrient complex?


Unter einem Nährstoffkomplex verstehen wir Präparate, die mehrere Vitamine und häufig zusätzlich Mineralstoffe oder Spurenelemente miteinander kombinieren.

Die Bandbreite ist enorm. Manche Produkte orientieren sich relativ zurückhaltend am täglichen Referenzbedarf. Andere liefern einzelne Vitamine mit mehreren Hundert oder sogar Tausend Prozent des sogenannten NRV – des europäischen Nährstoffbezugswerts. Wieder andere ergänzen Pflanzenextrakte, Antioxidantien, Aminosäuren oder vermeintliche Longevity Ingredients.

Ein „All-in-one“ kann deshalb vieles bedeuten.


A base is a base


Die interessanteste Rolle eines Nährstoffkomplexes liegt möglicherweise in seiner Funktion als nutritional base: eine überschaubare Ergänzung für den Alltag. Das Konzept ist charmant. Eine solide Grundversorgung mit ausgewählten Mikronährstoffen, unkompliziert und regelmäßig eingenommen. Darüber hinaus können einzelne Nährstoffe gezielt ergänzt werden, wenn Ernährung, Lebensphase, individuelle Bedürfnisse oder Laborwerte einen konkreten Anlass dafür liefern. Denn unser Bedarf ist individuell.


Wir befinden uns in unterschiedlichen Alterspannen mit unterschiedlichen Lebensstilen. Schwangerschaft und Kinderwunsch verändern Anforderungen. Medikamente können die Versorgung bestimmter Nährstoffe beeinflussen. Auch Erkrankungen, Resorptionsstörungen und sehr einseitige Ernährungsformen spielen eine Rolle. Ein Komplex kann diese Individualität natürlich nur begrenzt abbilden.


More isn't more


Einer der merkwürdigsten Auswüchse des Supplement-Marktes ist die Vorstellung, hohe Zahlen seien automatisch ein Qualitätsmerkmal. 500 Prozent NRV klingt beeindruckender als 100 Prozent. 1.000 Prozent noch beeindruckender. Physiologisch funktioniert Qualität so nicht.

Bei einigen wasserlöslichen Vitaminen werden überschüssige Mengen teilweise wieder ausgeschieden. Andere Substanzen können sich im Körper anreichern. Bei bestimmten Mikronährstoffen können dauerhaft hohe Dosierungen auch unerwünschte Effekte haben.

Wechselwirkungen zwischen Nährstoffen spielen ebenso eine Rolle. Mineralstoffe können sich bei der Aufnahme gegenseitig beeinflussen, besonders bei höheren Dosierungen. Und wer zusätzlich einzelne Supplements verwendet, kann unbemerkt dieselben Nährstoffe aus mehreren Produkten aufnehmen.


Der tägliche Multi, das Beauty Supplement, der Immun-Komplex und der Sleep Blend haben möglicherweise eines gemeinsam: überall steckt noch einmal Zink drin. Welcome to supplement math.


Some nutrients deserve their own conversation


Einige Nährstoffe passen ohnehin nur begrenzt in die Idee eines universellen All-in-one.


Eisen ist ein gutes Beispiel. Ein Eisenmangel ist häufig und medizinisch relevant. Eine dauerhafte Eiseneinnahme ohne entsprechenden Bedarf ist trotzdem keine besonders gute Idee.

Auch Vitamin D verdient einen individuelleren Blick. Versorgung, Sonnenexposition, Jahreszeit und gegebenenfalls der gemessene Status können eine Rolle bei der Frage nach einer sinnvollen Supplementierung spielen.

Magnesium benötigt in relevanten Mengen vergleichsweise viel Platz. Deshalb enthalten Multinährstoffpräparate davon häufig deutlich weniger als eigenständige Magnesiumprodukte.

Und Omega-3-Fettsäuren sind schon aufgrund ihrer benötigten Mengen und ihrer chemischen Eigenschaften ein eigenes Thema.

Die Vorstellung einer einzigen perfekten Kapsel für alles stößt damit ziemlich schnell an physische und physiologische Grenzen.


How to choose a good one


Ein Blick auf sieben Punkte hilft bei der Auswahl:


1. Dosierung: Sind die Mengen nachvollziehbar oder dominieren Megadosen?

2. Transparenz: Werden sämtliche Inhaltsstoffe und Mengen klar angegeben?

3. Doppelungen: Welche Nährstoffe stecken bereits in anderen Supplements, die du einnimmst?

4. Mineralstoffe: Welche sind enthalten und in welchen Mengen?

5. Eisen: Ist es enthalten und gibt es einen Grund, warum du es täglich einnehmen solltest?

6. Alltag: Ist das Produkt so unkompliziert, dass du es realistisch regelmäßig verwenden wirst?

Der letzte Punkt klingt natürlich viel zu simpel für die Longevity-Ära, aber wohl jeder weiß wie essentiell Routine und Disziplin auch bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ist.


Food still has the better matrix


Auch der beste Nährstoffkomplex macht aus einer nährstoffarmen Ernährung keine nährstoffreiche. Lebensmittel liefern schließlich weit mehr als die isolierten Vitamine und Mineralstoffe auf einem Supplement-Etikett: Ballaststoffe, Proteine, essentielle Fettsäuren, Polyphenole und eine Vielzahl bioaktiver Pflanzenstoffe kommen in einer komplexen Lebensmittelmatrix zusammen.


Ganz so einfach wie „eat your veggies and you're covered“ ist die Sache trotzdem nicht. Der Nährstoffgehalt eines Lebensmittels ist keine feste Größe. Sorte, Züchtung, Boden, Anbaubedingungen, Reifegrad, Transport, Lagerung und Zubereitung können beeinflussen, wie viel eines bestimmten Mikronährstoffs am Ende tatsächlich auf unserem Teller landet. Untersuchungen historischer Lebensmitteldaten haben bei einigen Obst- und Gemüsesorten über die vergangenen Jahrzehnte Rückgänge einzelner Nährstoffkonzentrationen gefunden. Daraus entstehen gern spektakuläre Aussagen darüber, wie viele Äpfel oder Brokkoliköpfe wir heute angeblich essen müssten, um mit früheren Generationen mitzuhalten. Solche Rechnungen vereinfachen eine deutlich komplexere Datenlage.

Gleichzeitig kann es auch mit einer ziemlich guten Ernährung schwierig sein, einzelne Zufuhrempfehlungen zuverlässig zu erreichen. Das hängt davon ab, was wir essen, wie viel davon, welche Lebensmittel wir meiden und in welcher Lebensphase wir uns befinden. In Deutschland gelten zum Beispiel Vitamin D, Jod, Folat und Calcium bei bestimmten Bevölkerungsgruppen als Nährstoffe, deren Zufuhr nicht immer den Empfehlungen entspricht.


Genau da wird eine vernünftige Supplement-Strategie interessant: als Ergänzung einer guten Ernährung. Eine abwechslungsreiche Ernährung bleibt dennoch die Grundlage der Nährstoffversorgung.

Supplements können Lücken schließen, bestimmte Lebensphasen begleiten und diagnostizierte Defizite gezielt adressieren.


A fewer wellbeing tabs open


Wir tracken Schlaf, Schritte, Glukose und Recovery. Wir optimieren Protein, Ballaststoffe und Omega-3. Wir besitzen Morning Stacks und Evening Stacks. Und manchmal verlangt unsere Gesundheitsroutine plötzlich so viel Aufmerksamkeit, dass sie selbst zum Stressfaktor wird. Aber: Gesundheit muss im Alltag funktionieren. Und das auch ein stückweit intuitiv und freudvoll.


Für manche Menschen bedeutet das eine sehr individuell zusammengestellte Supplement-Routine. Für andere kann ein vernünftig dosierter Nährstoffkomplex eine ziemlich gute Basis sein. Und manchmal braucht es überhaupt keine große Supplement-Sammlung.


THE VIBE TAKE


The best supplement routine might be the one you actually follow.

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